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Schloß Sonsbeck

Heute erinnern nur noch Burg- und Kastellstraße an die alte Befestigung des Städtchens Sonsbeck. Schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts befand sich im Norden der heutigen Stadt eine Burganlage. Ein Jahrhundert später wurde die Burg auf Befehl des Herzogs Adolf von Kleve in einen Schloßbau umgewandelt. Fortan diente das Sonsbecker Schloß hohen Beamten des Klevisch-Märkischen Herzoghauses als Wohn- und Amtssitz.

1562 wurde anläßlich der Übergabe des Schlosses an Dietrich von Boetzelaer ein Inventarverzeichnis angelegt, das uns Auskunft über das Aussehen jenes heute in Vergessenheit geratenen Schlosses geben kann:

Anteicheniß

Des huysgereitz vnd anders so tho Sonsbeck vpten huyse gefunden, meynen gnedigen Fürsten vnd herrn tostendigh, als der itzigen Lantdrost Derick vanden Boetzeler Erfschenk es darup gekomen den 28. April 1562

Irßlich in der kocken eyn haell mit vier groten vnd drie kleynen failen, vier kochebencke, twe klosse

In dem Saill

Ilff haicken mit eyn kresser, eyn harnißkast, eyn alde sedelkist, eyn alde taiffel mit eyn schraigh

Im Bierkeller eyn breitshaip

Im Fleisskeller

Twe Fleischbodden, eyn salttaiffel, twee bencke, twee klosse

In der Spyskhamer vnder dem kockentorn

Ein kestken dat sluytbar is, eyn poßteien banck, eyn Saltkast, 6 alde schepkens

Vp den Kockentorn

Twe nye bedstede, der ein mit ein treckbedstede

Vp des Burgkgreven torn

Eyn nye bedstede mit ein treckbedstede

Vp der Badenkhamer

Ein nye beddestede

Vp des weckers tornken

Ein trapp, ein schlechte bedstede mit ein bedken, eyn weckerhorn, ein alt peltz

Vp der Snydereien

Ein nye bedstede mit ein treckbedstede (f 23)

Vp der khamer, baven des Lantdrosten khamer

Seß deunen bengkens

Bave den saill lang den windelstein

Twe krume bengskens

Vp den soller

Eine tonne ongeferlich half voll bussenkruytz, twee kuytvate, 2 stenen haickenformen, eyn Windaiß mit synen tobehoir

Vp der Megede khamer

Ein schlechte nye bedstatt

Im Browhuiß

Ein browkettell, drie bodden, twee browgrepen, ein trechter, twee nyer draightonnen, 2 malt manden, twee Eeckern, noch eyn mengkettel, vmbtrint van ein ton vnd ein driefoit, drie garten

Im Backhuiß

Twee backtroegen, twee taiffelen, ein iseren dair men den deich mit afstickt

Baven dem Backhuiß

Ein esch mit einer haren decke, twee Windaissen int oeren tobehoir, eyn ledder, ein sage, twee iseren beittel, item seß deckledderen, item ein klein pleisschen

Noch in den Mollentorn

Ein stugken gesthulz, vmbtrint an inseren twee voite lanck, ein Qwerne mit ein stein vich malckanderen gesatt

In der khamern by den stall

Ein alde bedstede mit degeude, vnd moit vernyet werden

Iten in der gefenckniß ein stock, vur gefangen intoschluyten, dabey ein iseren ketten mit twe kluysteren oick fur gefangen

(f 23 a)

In der portkamer

Ein alt kestken achter der doeren, ein alt sytten vur den fuyer, ein iseren ketten tho eynemm saill. Vp den sollerken eyn bedstede mit einem bedde vur den portener

Vp des Jegers khamer

Ein guede bedstede

In der Schruyffkamer

Ein beddestede

In der Schuyren

Ein lange ledder (f 24)

Das Sonsbecker Schloß innerhalb der Mauern

Aus den mannigfachen Nachrichten über das Sonsbecker Schloß läßt sich das Aussehen in etwa rekonstruieren: Beherrscht wurde die Schloßanlage vom »Großen Turm«, in dessen Unterkonstruktion sich das Gefängnis befand. Weitere, wohl kleinere Türme, waren des »Burgrafen Turm« und der Küchenturm, in dessen Keller sich die Speisekammer befand.

Das Wohngebäude beherbergte neben dem »Großen Saal« mehrere Kammern, darunter des Landdrosten Kammer, die um 1532 ausgebaut worden war.

Um den Innenhof gruppierten sich der Pferdestall, Scheuer, Brau- und Backhaus. Einlaß in die Schloßanlage gewährte die von zwei Türmen flankierte Pforte.

Vergleicht man die einzige, bisher überlieferte Ansicht des Sonsbecker Schlosses, dessen Türme die Mauern des Städtchens Sonsbeck weithin sichtbar überragten, mit den in den Akten genannten Gebäuden, muß man die bildliche Überlieferung als etwas frei gestaltet bezeichnen.

Anmerkungen:

1 Gegen Ende des 15. Jahrhunderts nahm der klevische Erbmarschall Wilhelm von der Horst auf Schloß Sonsbeck seinen Wohnsitz. Ihm folgten die klevischen Landdrosten Johann von Bronkhorst-Batenburg, Dietrich von Boetzelaer, Otto von Wachtendonk, Heinrich von Wittenhorst und Bertram von Lützenradt.

2 Dieses Inventarverzeichnis befindet sich im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf (HstAD) unter der Signatur: Kleve Mark Akten Nr. 677

3 Der in den Akten so genannte "grote torn" ist identisch mit dem in diesem Verzeichnis genannten Möllentorn

4 Johann von Bronkhorst-Batenburg hatte in einem Schreiben 1532 anläßlich der Übersiedelung von Winnenthal nach Sonsbeck darum ersucht, daß die Schlafkammer des Landdrosten um einen kleinen Raum für die Kinder erweitert werden solle (HstAD Kleve-Mark Akte Nr. 666, f 24)

5 Diese Türmchen beherbergten "portkhamer" und "schruyffkhamer". Vor der Toranlage befand sich die (Zug-)brücke, die über den Burggraben führte, wie aus der Schlütereirechnung von 1494/95 deutlich wird: Item laten maken eyn leder inden borghgrave to klymmen fac 12 alb,...., Item die brugh vp thuys myt planken laten lappen kosten 1 Gulden (HStAD Kleve-Mark Akte Nr. 699, f 33 b).

Veröffentlicht im Jahrbuch Kreis Wesel 1991. Nutzung, auch auszugsweise, nur unter Beachtung der gängigen Zitierweisen.


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